Dialog

Begriffsklärung (allgemein)

Dialog

Ein Dialog ist eine mündlich oder schriftlich zwischen zwei oder mehreren Personen geführte Rede und Gegenrede. Sein Gegensatz ist der Monolog, das Gespräch einer Person mit oder vor sich alleine (vor allem im Drama), aber auch als Rede und Vortrag. [1]
Dialog leitet sich her vom altgriechischen Substantiv diálogos „Unterredung“, „Gespräch“ bzw. vom altgriechischen Verbum deponentium dialégesthai „sich unterreden“, „besprechen“.
Dieses wiederum lässt sich zurückführen auf die griechischen Wortwurzeln diá „[hin-]durch“ und lógos „Wort“, „Rede“; also diá-logos = „Fließen von Worten“. [1]

Monolog

Der Monolog (gr. μ mónos „allein“ und -log; lat. Soliloquium) ist im Gegensatz zum Dialog ein Selbstgespräch und findet vor allem im Drama Verwendung. Er richtet sich nicht direkt an einen Zuhörer, sondern an eine imaginäre Person. Faktisch ist das Publikum Adressat des Monologisierenden. [1]

Kommunikation

Kommunikation stammt aus dem Lateinischen communicare und bedeutet „teilen, mitteilen, teilnehmen lassen; gemeinsam machen, vereinigen“. In dieser ursprünglichen Bedeutung ist eine Sozialhandlung gemeint, in die mehrere Menschen (allgemeiner: Lebewesen) einbezogen sind. [1]

Diskussion

Eine Diskussion ist ein Gespräch zwischen zwei (Dialog) oder mehreren Diskutanten, in dem ein bestimmtes Thema untersucht (diskutiert) wird, wobei jede Seite ihre Argumente vorträgt. Als solche ist sie Teil zwischenmenschlicher Kommunikation. Das Wort Diskussion stammt vom lat. Substantiv discussio „Untersuchung, […] Prüfung“ ab. Das Verb dazu heißt discutiare und bedeutet „eine Sache diskutieren = untersuchen, erörtern, besprechend erwägen“ [1]

Debatte

Eine Debatte (franz. débattre: (nieder-)schlagen) ist ein Streitgespräch, das im Unterschied zur Diskussion formalen Regeln folgt und in der Regel zur inhaltlichen Vorbereitung einer Abstimmung dient. [1]

Disput

Ein Disput oder eine Disputation (von lateinisch disputatio, zu disputare für „berechnen“, „genau überlegen“, „von allen Seiten beurteilen“) ist ein Streit- oder Lehrgespräch. Der Teilnehmer an einem solchen Gespräch heißt Disputant‘‘. [1]

Diskurs

Der Begriff Diskurs (von lateinisch discursus „Umherlaufen“) wurde ursprünglich in der Bedeutung „erörternder Vortrag“ oder „hin und her gehendes Gespräch“ verwendet. Neben der rein sprachwissenschaftlichen Bedeutung, Diskurs als erörterndem Vortrag, wird Diskurs heute vielfach als philosophischer Begriff, jedoch in unterschiedlichen Bedeutungen verwendet. [1]

Im Dialog: gemeinsam nach neuen Wegen und Lösungen suchen …

From time to time, (the) tribe (gathered) in a circle.
They just talked and talked and talked, apparently to no purpose.

They made no decisions. There was no leader.  And everybody could participate.
There may have been wise men or wise women who were listened to a bit more – the older ones – but everybody could talk.

The meeting went on, untit it finally seemed to stop for no reacon at all and the group dispersed.
Yet after that, everybody seemed to know what to do, because they understood each other so well.
Then they could get together in smaller groups and do something or decide things.

– David Bohm, On Dialogue  [11]

 

Unser Dialogverständnis

Als Facilitator

Der Dialog beginnt, wo die Diskussion aufhört. Er ist eine neue Form des Gesprächs. Der Dialog öffnet Horizonte und bildet einen „Sinn-Fluß, der unter uns, durch uns hindurch und zwischen uns fließt“. [2]
Das Suchen und Entwickeln neuer, zuvor nicht bekannter Bedeutung in einer Gruppe und durch die Menschen. [2]

Der Dialog ist ein freundliches, vor allem ein grundsätzliches Gespräch. Wer in dieser Weise aufeinander zugeht, dem eröffnen sich neue Horizonte und wird mit neuen Erfahrungen und Erkenntnissen belohnt. [2]

In Diskussionen streiten wir gegeneinander, im Dialog begegnen wir einander offen und respektvoll, lernen aufeinander zu hören, mit- und füreinander zu denken und suchen gemeinsam nach neuen Wegen und Lösungen. [2]

„In einem Dialog versuchen also die Gesprächsteilnehmer nicht, einander gewisse Informationen mitzuteilen,…Vielmehr könnte man sagen, dass die beiden etwas gemeinsam machen, das heißt, dass sie zusammen etwas Neues schaffen“. [2]

Ursprung

Dieses Dialogverständnis wurde entscheidend vom anglo-amerikanischen Quantenphysiker David Bohm
(1917 – 1992) und dem jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber (1878 – 1965) beeinflusst.

Dialog = dia „durch“, logos „das Wort“ oder Wortbedeutung, Wortsinn

Diskussion = zerschlagen, zerteilen, zerlegen, kritische Analyse, ein Pingpong Spiel bei dem Leute Meinungen vorund zurückschlagen mit dem Ziel zu gewinnen oder Punkte zu sammeln.

Der Dialog zielt auf die Denkprozesse hinter den Annahmen, nicht auf die Annahmen und Schlussfolgerungen selbst. Anstatt sich auf hoher Abstraktionsstufe Überzeugungen um die Ohren zu schlagen, wird empfohlen, die jeweils erklommene individuelle „Leiter der Schlussfolgerungen“ einige Stufen hinab zu steigen, um in Bereiche zu kommen, die für die aktuelle Auseinandersetzung wesentlich sind und über die – das ist die Hypothese – Verständigung eher möglich ist. [7]

Kontext und Relevanz

Das Dialogverfahren basiert auf Forschungen in der Organisationsentwicklung, die zu Beginn der 90iger Jahre am Massachusetts Institute of Technologie (MIT) durchgeführt wurden. Die Organisationsentwickler am MIT haben den spezifischen Dialogansatz von Bohm und Buber in Verbindungen mit Organisations- und Politikberatung gebracht. Angesichts wachsender Pluralisierungs- und Individualisierungsprozesse, angesichts wachsender Sprachbarrieren und Milieuunterschiede gewinnt der Dialog gesellschaftlich an Bedeutung: zwischen den Generationen, zwischen den Geschlechtern, zwischen unterschiedlichen Kulturen und in Konfliktkonstellationen. [7]

Historie (Exkurs)

Der Sokratische Dialog: Die Kunst, mit Fragen Menschen zu führen …

Sokrates beherrschte die Kunst, viele Überzeugungen seiner Gesprächspartner durch scheinbar naive Fragen so infrage zu stellen, dass sie sich dadurch für neue Einsichten öffneten.
Zur Grundhaltung seiner Gesprächsführung machte er die Überzeugung, selbst nichts zu wissen und seinen Gesprächspartnern zuzutrauen, dass sie selbst die richtigen Antworten und Lösungen für ihre Probleme fänden. Mit seiner subtilen Kunst und weil er vor keiner Frage zurückscheute, begeisterte er die Jugend Athens und lehrte das Establishment das Fürchten. [6]

 

Formen des Dialogs

Martin Buber unterscheidet drei verschiedene Formen des Dialogs: „…ich kenne dreierlei Dialog …

den echten – gleichviel, geredeten oder geschwiegenen -, wo jeder Teilnehmer den oder die anderen in ihrem Dasein und Sosein wirklich meint und sich ihnen in der Intention zuwendet, dass lebendige Gegenseitigkeit sich zwischen ihm und ihnen stifte;

den technischen, der lediglich von der Notdurft der sachlichen Verständigung eingegeben ist;

… und den dialogisch verkleideten Monolog, in dem zwei oder mehrere im Raum zusammengekommene Menschen auf wunderlich verschlungenen Umwegen jeder mit sich selber reden und sich doch der Pein des Aufsichangewiesenseins entrückt dünken.“ [3]

Johannes & Martina Hartkemeyer unterscheiden bei bewusst gestalteten Dialogen zwischen: …

thematischen Dialogen, die eine thematische oder strategische Frage an den Anfang stellen und versuchen, diese dialogisch zu vertiefen; und …

generativen Dialogen – ohne vorgegebenes Thema -, bei denen Themen auftauchen, sich kürzer oder länger halten, aber nicht der eigentliche Zweck des Zusammenkommens sind. [4]

Man kann auch Kommunikation im Dialog nicht nur mit dem Gegenüber sondern auch mit sich selbst führen, ein innerer Dialog – mit unterschiedlichen Stimmen. [10]

Selbstverständlich brauchen nicht alle zu einem echten Gespräch Vereinten selber zu sprechen, schweigsam Bleibende können mitunter besonders wichtig werden. Jeder aber muss entschlossen sein, sich nicht zu entziehen, wenn es etwas dem Gange des Gesprächs nach an ihm sein wird zu sagen, was eben er zu sagen hat. [3]

 

Haltung für den Dialogprozess

Im Dialog geht es darum, eine Haltung einzunehmen, die darauf basiert, dass ich nie letztlich wissen kann, wie die Welt aus anderer Perspektive, aus dem Blickwinkel meines Gegenüber aussieht und aufgrund welcher Erfahrungen und Erwartungen, Annahmen und Bedürfnisse die oder der andere die Welt interpretiert. Wenn ich meinem Gegenüber als nicht – „besser“ – wissend, sondern als lernbereit entgegentrete, habe ich eine Chance, mein Verständnis zu vertiefen und meine Perspektive zu erweitern. [4]

 

„Es gibt keine Methode (für den Dialogprozess), es gibt nur Achtsamkeit“
Jiddu Krishnamurti

 

„Die Methode ist in Wirklichkeit die äußere Form des Bewusstseins, das sich in Haltungen ausdrückt“.
Paulo Freire

 

10 Kernfähigkeiten

1. Eine lernende Haltung einnehmen
• Nicht als Wissende, als Experten auftreten, sondern „Anfängergeist“ verkörpern.
• Interesse an neuen Sichtweisen zeigen, die unsere tradierten Denk- und Verhaltensmuster in Frage stellen.

2. Radikal Respekt zeigen
• Die Gesprächspartner in ihrem „Sosein“ akzeptieren
• Versuchen, den Gesprächspartner aus dessen Perspektive zu sehen.

3. Von Herzen sprechen
• Von dem sprechen, was mir wirklich wichtig ist, nicht nur „aus dem Kopf heraus“.
• Verzichten auf Belehrungen, langwierige theoretische Ergüsse, intellektuelle Spielereien

4. Generativ zuhören
• Aktiv und empathisch zuhören, so dass die oder der Sprechende sich dabei selbst entdeckt und
• der Zuhörende sich beim Einordnen des Gehörten beobachten kann.

5. Annahmen und Bewertungen „suspendieren, in der Schwebe halten“
• Sich die eigenen Annahmen und Bewertungen bewusst machen und von Beobachtungen unterscheiden.
• Diese Annahmen und Bewertungen „in der Schwebe halten“, sie „suspendieren“, also auf ihnen zunächst keine Reaktion gründen.

6. Erkunden
• Aufrichtige, „unschuldige“ – nicht rhetorische – Fragen stellen, in einer Haltung von Neugierde, Achtsamkeit und Bescheidenheit.
• Das Bedürfnis entwickeln, wirklich verstehen zu wollen.

7. Produktiv plädieren
• Die persönliche Sichtweise des Themas darlegen und die Beweggründe dieser Sichtweise, einschließlich der eigenen Unsicherheiten.
• Die Herkunft eigener Bewertungen deutlich machen, die anderen dadurch am eigenen Denkprozess beteiligen (anstatt sie mit meinem Denkprodukt zu konfrontieren).

8. Offenheit
• Die eigenen Beweggründe transparent machen und auf die Beweggründe des anderen ohne Vorurteile und Kritik eingehen.
• Sich von den eigenen Überzeugungen lösen.

9. Verlangsamung zulassen
• Die „innere“ Verlangsamung zulassen, die sich durch das Erlernen und Beherzigen der anderen Kernfähigkeiten von selbst einstellt.
• Die „äußere“ Verlangsamung durch langsamere Sprecherinnen oder Instrumente wie Redestein oder Klangschale akzeptieren.

10. Die Beobachterin beobachten
• Den Beobachter in uns, d.h. die Instanz, die alles durch die konventionelle Brille sieht, beobachten.
• Sich bewusst machen, durch welche Gefühle und Vorannahmen unsere Haltung zum Gegenüber ausgelöst wird.    [4]

 

Rahmenbedingungen

1. Einen „Container“ schaffen
Con + tenere = zusammen halten. Ein gemeinsam geschaffener sicherer Vertrauensraum, der es zulässt, dass eigene Annahmen und fremde Sichtweisen sich begegnen, um gemeinsam erforscht zu werden.

2. Ein Dialog-Begleiter (Facilitator)
ein Begleiter für den Prozess, dessen Aufgabe es vor allem ist, den Container vorzubereiten und zu halten.

3. Klarheit des Zwecks
Die Gruppe muss sich im Klaren darüber sein, dass es der Zweck ihres Zusammenseins ist, einen Dialog miteinander zu führen d.h. die Kernfähigkeiten des Dialogs zu üben, beziehungsweise zu lernen – und eben keine Diskussion zu haben, kein spezifisches Problem zu lösen, keine Entscheidungen zu treffen und noch nicht einmal einen Konsens zu erreichen.    [10]

Dialogprozess-Begleitung (Facilitating)

Zunächst ist es wichtig, die Erwartungen einer Gruppe zu klären und Regeln des Prozesses gemeinsam zu vereinbaren. Die Präsenz und Haltung der Begleitenden gibt Anstöße, aber der Dialogprozess kann nur aus der Gruppe gemeinsam entwickelt werden.
Die Begleitung eines Dialogprozesses bedeutet keine thematische Straffung, kein Sichtbarmachen, Zusammenführen des „roten Faden“ oder Aufstellen von Rednerlisten zur Berücksichtigung aller Redebeiträge – und unterscheidet sich dadurch deutlich von der Moderation.

„Aufgabe des Dialogbegleiters ist es, sich selbst überflüssig zu machen“ [2]

Stefan Schönfeld beschreibt die Aufgabe des Dialogbegleiters aus der Perspektive eines Schlafwagenschaffners…

…Ich denke, dass Dialogprozess-Begleiter in der Tat nichts anderes sind als Reisebegleiter, ebenso wie Schlafwagenschaffner. Damit reiht sich dieser Beruf ein in die ehrenvolle Gesellschaft großer Wegbegleiter und setzt die lange Tradition des wohlfeilen, manchmal auch bezahlten Weggefährten fort. Die Kollegen vergangener Zeiten heißen Charon, Hermes, Sancho Pansa oder Sam. Seltsamerweise alles mythische Gestalten. [4,5]

Anwendungsfeld

Dialog als kreativer Denkraum lernender Organisationen

Die „lernende Organisation“ ist für Führungskräfte weltweit das Strategie- und Organisationskonzept der Zukunft.

„Die erste und wichtigste Verantwortung eines jeden, der zu managen vorgibt, besteht darin, sich selbst zu managen: die eigene Integrität und den eigenen Charakter, Ethik, Wissen, Weisheit, Temperament, Worte und Taten. Dies ist eine komplexe, unendliche, unglaublich schwierige Aufgabe, vor der man sich gerne drückt.“

Eine Form von „Selbstmanagement“ sieht Peter M. Senge als eine der fünf Disziplinen an, als die Personal Mastery, die sich insbesondere Führungskräfte lernender Organisationen erarbeiten sollten. Eine weitere Disziplin ist für ihn das Teamlernen, und dazu rechnet er die Fähigkeit, den Dialog führen zu können:

„Der Zweck des Dialogs besteht darin, über die Grenzen des individuellen Verstehens hinauszukommen…“

„Beim Dialog erforscht eine Gruppe schwierige, komplexe Fragen unter vielen verschiedenen Blickwinkeln.“

„Beim Dialog werden die Beteiligten zu Beobachtern ihres eigenen Denkens.“ [4]

Im Dialogprozess sind drei Merkmale und mögliche Ergebnisse des Dialogs von Bedeutung: Erstens eignet sich der Dialog sehr gut, um mentale Modelle zu erkunden, ihre Wirkungsweise zu verstehen und somit dem „blinden“ Wirken der Modelle Einhalt zu gebieten.

Zweitens kann der Dialog der Wegbereiter sein, um eine Organisation sanft und nachhaltig für neues Denken zu gewinnen.

Drittens kann der Dialog als ein wichtiger Bestandteil des Systemdenkens auch aporetische Konflikte lösen (zwei berechtigte, entgegengesetzte Standpunkte).

 

Einschätzung (bestehende Stimmen)

1. Peter M. Senge, Leiter des Systems Thinking and Organizational Learning Program an der School of Management des MIT

Die Disziplinen der lernenden Organisation, Team-Lernen:
Wie ist es zu erklären, dass ein Team von engagierten Managern, die einen individuellen Intelligenzquotienten von über 120 haben, einen kollektiven IQ von 63 aufweisen? Die Disziplin des Team-Lernens setzt sich mit diesem Paradox auseinander. Wir wissen, dass Teams lernen können. Im Sport, in den darstellenden Künsten, in der Wissenschaft und sogar – gelegentlich – im Geschäftsleben gibt es eindrucksvolle Beispiele dafür, dass die Intelligenz des Teams die Intelligenz des einzelnen bei weitem überschreitet und dass ein Team außergewöhnliche Fähigkeiten zum koordinierten Handeln entwickelt. Wenn Teams wahrhaft lernen, erzielen sie nicht nur herausragende Ergebnisse, sondern die einzelnen Mitglieder entwickeln sich auch schneller, als es andernfalls je möglich wäre.

Die Disziplin des Team-Lernens beginnt mit dem „Dialog“, mit der Fähigkeit der Teammitglieder, eigene Annahmen „aufzuheben“ und sich auf ein echtes „gemeinsames Denken“ einzulassen. Für die Griechen bedeutet dia-logos das ungehinderte Fluten von Sinn, von Bedeutung in einer Gruppe, wodurch diese zu Einsichten gelangen kann, die dem einzelnen verschlossen sind. Interessanterweise ist die Praxis des Dialogs in vielen „Primitiven“ Kulturen, wie zum Beispiel bei den nordamerikanischen Indianern, bewahrt worden, während sie in der modernen Gesellschaft fast völlig verlorengegangen ist. Heute werden die Grundsätze und Techniken des Dialogs neu entdeckt und in einen zeitgenössischen Kontext gestellt.

Zur Disziplin des Dialogs gehört auch, dass man bestimmte Interaktionsstrukturen erkennt, die das Lernen im Team behindern. Häufig ist das Verhalten eines Teams von tiefen Abwehrstrukturen geprägt. Wenn diese Strukturen nicht erkannt werden, machen sie jedes Lernen unmöglich. Aber wenn man sie erkennt und sich kreativ damit auseinandersetzt, können sie das Lernen auch vorantreiben.

Das Team-Lernen ist von entscheidender Bedeutung, weil Teams, nicht einzelne Menschen, die elementare Lerneinheit in heutigen Organisationen bilden. Sie sind die „Nagelprobe“ für die Praxis. Nur wenn Teams lernfähig sind, kann die Organisation lernen.

 

2. Prof. Dr. Barbara von Meibom, Kommunikations- u. Politikwissenschaftlerin

Offener Dialog: „Ja…und…“

Der offene Dialog als Kommunikationskonzept geht auf David Bohm zurück. Er vertrat die Auffassung, dass weise Entscheidungen und eine umfassende Sicht der Dinge entstehen, wenn in einer Gruppe der freie Fluss der Gedanken dazu verhilft, die intelligenteste Lösung zu finden. Inzwischen gibt es Trainings, die im offenen Dialog ausbilden. Der offene Dialog in einer Gruppe braucht meist in der Anfangsphase eine Person, die den Prozess unterstützt (Facilitator). Nach einer Phase der inneren Einstimmung und Vertrauensbildung geht es darum, aus dem freien Gedankenfluss heraus das Thema zu bestimmen, das der Gruppe am Herzen liegt.

Nachdem die Gruppe eingestimmt ist und ihr Thema gefunden hat, organisiert sie sich selbst, indem die Gedanken fließend weiterentwickelt werden. Der Gedankenfluss wird befördert, indem jede und jeder die Sichtweise der anderen nicht nur achtet und würdigt, sondern auch um die eigene Sichtweise bereichert. Ich nenne dies die „Ja…und…Kommunikation“.

Im „Ja“ würdige ich die Sicht des/der anderen. Im „und“ würdige ich meine eigene Sicht und teile diese den anderen mit (Mitteilen als Teilen). So entsteht ein Wissen höherer Ordnung, in dem sich gemeinsam neuer Sinn herauskristallisiert.

Rituell unterstützen lässt sich der offene Dialog durch den so genannten Redestein oder Redestab. Sie sichern der redenden Person die ungestörte Aufmerksamkeit der Gruppe. Dieses aus dem Indianischen stammende Ritual bewirkt zugleich, dass die Sprechenden sich stärker auf das Wesentliche in den eigenen Aussagen bestärken.

Dialogisches Verhalten ist nicht einfach zu erlernen, weil es den Verzicht erfordert, über Worte andere beherrschen zu wollen. Insofern braucht der offene Dialog eine wertschätzende Haltung sich und anderen gegenüber. Solcher Dialog findet auf Augenhöhe statt und ist frei von manipulativen Absichten. [9]

 

Quellen

Zitierte Literatur / Einzelnachweise:

[1] Wikipedia
[2] David Bohm, Der Dialog: Das offene Gespräch am Ende der Diskussion
[3] Martin Buber, Die Schriften über das Dialogische Prinzip, 1954; Zweisprache Buchausgabe 1932
[4] Johannes F. & Martina Hartkemeyer, Die Kunst des Dialogs, Kreative Kommunikation entdecken, 2005
[5] Stefan Schönfeld, Tiefer Einklang und steter Fluss. Zwischen den Welten – Dialog im Schlafwagen
[6] www.zfu.ch/weiterbildung/seminare
[7] Heike Gumpert, Über das Dialogverfahren – Internet
[8] Peter M. Senge, Die fünfte Disziplin, 2008
[9] Barbara v. Meibom, Spirituelles Selbstmanagement, 2009
[10] Johannes F. & Martina Hartkemeyer, Miteinander Denken, Das Geheimnis des Dialogs, 1998
[11] Joseph Jaworski, Synchronicity, 2011

 

Verfasser

Tobias Sommer • Rainer Votsmeier