Facilitating

Facilitating

Veränderung ist der ständige Wechsel zwischen Ordnung und Unordnung, Stabilität und Instabilität.  Entwicklung entsteht durch Polaritäten, ist ein diskontinuierlicher Prozess und hat eine Richtung.

In unserer komplexen Welt gibt es das eindeutige „Richtig“ und „Falsch“ nicht mehr. Wir brauchen vielschichtige, sich immer wieder validierende Antworten, die nur gemeinsam gefunden werden können. Wer sich den Herausforderungen allein stellt, kann in dieser Komplexität verloren gehen und mit Überforderung reagieren. Es ist eine zentrale Aufgabe im Facilitating, dieses „gemeinsame Finden“ in einer stark vom Individualismus geprägten Zeit zu fördern.

Der Begriff „Facilitating“ kommt aus dem Englischen und steht für Erleichtern oder Ermöglichen. Facilitating geht über die Moderation und/oder Coaching hinaus, erfasst das Umfeld und sichert den Rahmen für Entwicklungs- und Veränderungsprozesse.

Facilitating geht davon aus, dass Menschen das Potential und Wissen zur Veränderung und Entwicklung in sich tragen.

Facilitating dient dem Finden und Schöpfen von Antworten, Lösungen und Innovationen. Facilitatoren nehmen wahr, spiegeln, fragen, geben Impulse, wecken innere Kräfte, öffnen Räume für Vertrauen, machen Handlungsangebote, gestalten Inszenierungen und verhelfen Lösungen ans Licht.

Ohne Unordnung keine neue Ordnung und keine Veränderung ohne Unordnung. Facilitating bedeutet, Menschen auf diese Phasen vorzubereiten, diese Phasen zu gestalten und die Reise durch das Chaos zu ermöglichen. Facilitating bedeutet, für Unvorhersehbares und Unplanbares offen zu sein, Impulse aufzunehmen und sie für den Prozess zu nutzen.

Der Facilitator ist mit seiner Person Teil des Prozesses und unterstützt diesen durch das Einbringen seiner subjektiven Wahrnehmungen in die Kommunikation. Der Facilitator gestaltet das Verständnis für das Gefäß (den Rahmen) eines Prozesses. Er arbeitet an der Grenze zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein und schafft Raum für Erfahrbarkeit und erhöht damit die Bewusstheit.

Im Facilitating ist es sinnvoll, an Hand eines Leitfadens den Prozess zu gestalten. Presencing bzw. Theorie U ist ein umfassendes Modell und gibt den Beteiligten den notwendigen Halt, den es braucht, wenn Dynamiken in dem Prozess wirksam werden.

Grundsätze des Facilitating im Unternehmenskontext:

Das Wissen und die Lösung im System suchen: Facilitatoren gehen ebenso wie Prozess- oder systemische Berater davon aus, dass die Lösung und das dafür notwendige Wissen im Unternehmen selbst vorhanden sind. Sie verstehen sich als Begleiter oder Geburtshelfer.

Dem Prozess vertrauen: Ob Großgruppenkonferenz oder dialogisches Verfahren, der Facilitator weiß, dass im Prozess eine tragfähige Lösung entstehen wird.

Echte Wahlmöglichkeiten schaffen: Damit Beteiligungsprozesse den gewünschten Erfolg bringen, müssen die Beteiligten frühzeitig einbezogen werden und nicht erst dann, wenn es darum geht, Alternative A, B oder C auszuwählen. Nur so kann das schöpferische Potential der Gruppe ausgeschöpft werden.

Achtsamkeit pflegen und nicht urteilen: Wenn Meinungen anderer eingeholt werden, sollte die „Stimme des Urteilens“ zunächst bewusst ausgeschaltet werden. So werden vorschnelle Bewertungen vermieden.

Den Phrasen-Modus durchbrechen: In Firmen laufen Meetings und Besprechungen oft in einer ritualisierten Sprache ab, die es verhindert, dass die wirklichen Probleme und kritischen Punkte diskutiert werden. Dieser Phrasen-Modus muss bewusst durchbrochen werden.

Gefühlen Raum geben: Gerade in Veränderungsprozessen kommen starke Gefühle auf wie Angst oder Euphorie. Diese Emotionen dürfen nicht verdrängt oder unterdrückt werden. Sie müssen Raum bekommen, damit die Mitarbeiter sich wertgeschätzt fühlen und offen für Neues werden können.

Nichtwissen zulassen: Ein Facilitator gibt zu, dass er die Lösung nicht kennt und legt Wert darauf, dass sie gemeinsam in der Gruppe erarbeitet wird.

Von der Zukunft her führen: Ziel des Facilitators ist es, Entscheidungen nicht auf der Basis von Erfahrungen zu treffen. Die Idee, die dahinter steht und von Otto Scharmer in seiner „Theorie U“ ausformuliert wird: Durch das Erkunden und Verstehen kann ein Unternehmen von der Zukunft her geführt werden.

 

.