Integrale Theorie

Integrale Theorie

Die Integrale Philosophie, Integrale Weltsicht oder Integrales Denken, ist eine Theorie und Weltanschauung, die versucht, eine umfassende Sicht des Menschen und der Welt zu entwickeln. Ken Wilber ist ein bedeutender Vertreter der integralen Theorie.

Die Integrale Theorie ist eine philosophische Schule, die die gesamte menschliche Weisheit in ein neues, emergentes Weltbild integrieren will, das die Schätze aller früheren Weltanschauungen aufnehmen kann, einschließlich derer, die sich historisch widersprochen haben: Wissenschaft und Religion, östliche und westlichen Schulen des Denkens und die vormodernen, modernen und postmodernen Weltanschauungen.

Die Integrale Theorie baut auf den Grundlagen der Evolutionstheorie auf. Die Evolution ist von der Wissenschaft gut etabliert und ist für jeden mit einer modernen oder postmodernen Weltanschauung nicht umstritten. Wir wissen aus immer raffinierteren Beobachtungen und Analysen, dass der Kosmos vor etwa 13,8 Milliarden Jahren entstand, zuerst als Energie und dann als Materie, entstanden Atome und Moleküle, die die Himmelskörper bildeten, einschließlich unseres Heimatplaneten Erde.

Auf der Erde wissen wir, dass sich die molekulare Evolution fortsetzt und Zellen, dann Organismen von Komplexität, von Amöben zu Schwämmen, von Fischen zu Reptilien zu Säugetieren, hervorbringt, die im menschlichen Wesen, der komplexesten Entität des bekannten Universums, kulminiert.

Der gesamte Evolutionsprozess beschleunigt sich exponentiell: Wenn die gesamte bekannte Zeit als 24-Stunden-Tag betrachtet wird, tauchte das Leben in den letzten drei Stunden auf, Säugetiere in den letzten drei Minuten und Menschen in den letzten 1,5 Sekunden.

Die Integrale Theorie postuliert, dass Evolution nicht auf die äußeren Formen der Realität (Materie und Organismen) beschränkt ist, sondern sich auch in den inneren Räumen der Realität, nämlich in der Entwicklung von Kultur und Bewusstsein, zeigt.

Die Integrale Theorie ist ein systematisches Modell für eine holistische Welterklärung. Sie geht davon aus, dass die in der modernen Wissenschaft stark ausdifferenzierten Wirklichkeitsbereiche von Natur, Mensch, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur in der Realität vielfältig verflochten sind. Für eine zukunftsfähige oder nachhaltige Entwicklung braucht es daher neben den Einzel- oder Fachwissenschaften auch die Welt als Ganzes auf neue, moderne integrierende Denkansätze, Forschungen und Theorien.

Die von Ken Wilber entwickelte Integrale Landkarte (AQAL) ist ein in unserer Zeit entstandener Versuch, Wirklichkeit so umfassend (integral) wie möglich zu beschreiben, auf dem jeweils aktuellen und sich weiter entwickelnden Erkenntnisstand der Menschheit. AQAL umfasst fünf Elemente der Integralen Theorie: Quadranten, Stufen, Linien, Zustände und Typen.

Die „vier Quadranten“ repräsentieren vier grundlegende Perspektiven, die man gegenüber jedem Ereignis oder Aspekt der Wirklichkeit einnehmen kann. Das Innere und Äußere des Individuellen und des Kollektivem: intentional, kulturell, verhaltensmässig und sozial.

Das Integrale Modell dient als wertvolles Werkzeug für die Analyse und Begleitung von Veränderungsprozessen:

– Wesentliche Perspektiven der Wirklichkeit werden systematisch berücksichtigt (Weite)
– Ausrichtung auf das Ganze, statt isolierte Betrachtung von Teilen (Einheit)
– Orientierung an Ursachen und nicht an Symptomen (Tiefe)
– Bewahrenswertes wird beibehalten und um dazu Passendes, Neues erweitert (Wertschätzung)

 

            
Abb. 1   Vier Perspektiven auf den Menschen           Abb. 2   Vier Perspektiven auf Organisationen