Salutogenese

Salutogenese

„Wie und warum werden Menschen krank und wie bleiben sie trotz vieler potentiell gesundheitsgefährdender Einflüsse gesund?“

„Wie entsteht Gesundheit und wie wird sie gewahrt?“

„Was ist das Besondere an Menschen, die trotz extremer Belastung nicht krank werden?“

Zu diesen Fragen forschte der israelisch-amerikanische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky und prägte den Ausdruck „Salutogenese“ (lat. salus ‚Gesundheit‘, ‚Wohlbefinden‘ und -genese, also etwa „Gesundwerdung“).

Nach dem Salutogenese-Modell ist Gesundheit nicht als Zustand, sondern als Prozess zu verstehen. Der menschliche Organismus als System ist permanent (natürlichen) Einflüssen und Prozessen ausgesetzt, die eine Störung seiner Ordnung (d.h. seiner Gesundheit) bewirken. Gesundheit ist kein stabiler Gleichgewichtszustand, sondern muss in der Auseinandersetzung mit krankmachenden Einflüssen kontinuierlich neu aufgebaut werden. Die Suche nach spezifischen Krankheitsursachen muss nach Antonovsky durch die Suche nach gesundheitsfördernden bzw. gesunderhaltenden Faktoren (salutorischer Ansatz) ergänzt werden.

Grundannahme des Modells ist der Kohärenzsinn oder das Kohärenzgefühl (engl. sense of coherence; SOC) als „eine globale Orientierung, die das Ausmaß ausdrückt, in dem jemand ein durchdringendes, überdauerndes und dennoch dynamisches Gefühl des Vertrauens hat, dass erstens die Anforderungen aus der inneren oder äußeren Erfahrungswelt im Verlauf des Lebens strukturiert, vorhersagbar und erklärbar sind, und dass zweitens die Ressourcen zur Verfügung stehen, die nötig sind, um den Anforderungen gerecht zu werden. Und drittens, dass diese Anforderungen Herausforderungen sind, die Investitionen und Engagement verdienen.“ (Antonovsky)

 

Abb. 1   Dimensionen und Einflussfaktoren nach Antonovsky

Je stärker das Kohärenzgefühl ausgeprägt ist, so die Annahme Antonovskys, desto besser gelingt es der Person, gesund zu bleiben. Das Kohärenzgefühl besteht aus drei Komponenten:

der Verstehbarkeit  – Fähigkeit die Situation auf ihre Ursachen hin zu analysieren
„Meine Welt ist verständlich, stimmig, geordnet; auch Probleme und Belastungen, die ich erlebe, kann ich in einem größeren Zusammenhang sehen.“

der Handhabbarkeit – Wissen um die eigenen Ressourcen
„Das Leben stellt mir Aufgaben, die ich lösen kann. Ich verfüge über Ressourcen, die ich zur Meisterung meines Lebens, meiner aktuellen Probleme mobilisieren kann..“

der Sinnhaftigkeit – Sinnhaftigkeit eines Bewältigungsversuches
„Für meine Lebensführung ist jede Anstrengung sinnvoll. Es gibt Ziele und Projekte, für die es sich zu engagieren lohnt.“

Antonovsky beschrieb, dass es grundlegend drei große gesundheitsgefährdende Einflussfaktoren gebe, die bei Auftreten von Stressoren Spannungszustände auslösen. Die drei Einflussfaktoren sind:

Chemisch durch Giftstoffe
Biologisch durch Bakterien, Viren, Pilze, etc.
Psychosozial durch Leistungsdruck, verminderte soziale Bindungen und Kontakte, etc.

Aaron Antonovsky war sich sicher, dass diese Einflussfaktoren eine große Rolle dabei spielten, ob ein Mensch gesund oder krank sei. Er war der Meinung, dass der menschliche Körper mit seinen Ressourcen versuche, die gesundheitsgefährdeten Faktoren (Disstress) zu überwinden. Schaffe der Körper das nicht, würde der Mensch krank. Anders herum sei ein Mensch gesund, wenn er sich gegen die Stressoren wehren könne (Eustress).