Synchronizität

Synchronizität

Während wir in der heutigen Welt alle Ereignisse auf das Kausalitätsprinzip zurückführen und fragen, welche Ursache zu welcher Wirkung führt, hat C.G. Jung mit der Hilfe des Physikers und Nobelpreisträgers Wolfgang Pauli gegen das Ende seines Lebens erkannt, dass es eine Klasse von Ereignissen gibt, welche nicht kausal sind, das heisst, dass sie keine Ursache besitzen. Sie sind vielmehr auf ein Ziel ausgerichtet, das heisst, sie führen in ein Ereignis hinein, welches an sich keine Ursache besitzt. Sie entsprechen daher einer Neuschöpfung. In einer religiösen Sprache wurden solche das Kausalitätsprinzip verletzende Ereignisse seit jeher als Wunder bezeichnet. Das dahinterstehende Prinzip nennt die katholische Kirche die Vorsehung Gottes.

Beobachtet man über eine längere Zeit seine Träume, wird man gewahr, dass des öfteren äussere Ereignisse passieren, welche den Trauminhalten sehr ähnlich sind. Es scheint, als ob Innenwelt und Aussenwelt koinzidieren würden. C.G. Jung hat daher vorgeschlagen, solche relativ gleichzeitig stattfindende innere und äussere Ereignisse daraufhin zu untersuchen, welcher Sinn sie verbinden könnte. Das Prinzip, welches hinter diesen Ereignissen steht, hat er Synchronizität genannt.

Einführung in das Synchronizitätsprinzip C.G. Jungs

Während wir in der heutigen Welt alle Ereignisse auf das Kausalitätsprinzip zurückführen und fragen, welche Ursache zu welcher Wirkung führt, hat C.G. Jung gegen das Ende seines Lebens erkannt, dass es eine Klasse von Ereignissen gibt, welche nicht kausal sind, das heisst, dass sie keine Ursache besitzen. Sie sind vielmehr auf ein Ziel ausgerichtet, das heisst, sie führen in ein Ereignis hinein, welches an sich keine Ursache besitzt. Sie entsprechen daher einer Neuschöpfung. In einer religiösen Sprache wurden solche das Kausalitätsprinzip verletzende Ereignisse seit jeher als Wunder bezeichnet. Das dahinterstehende Prinzip nennt die katholische Kirche die Vorsehung Gottes.

Beobachtet man über eine längere Zeit seine Träume, wird man gewahr, dass des öfteren äussere Ereignisse passieren, welche den Trauminhalten sehr ähnlich sind. Es scheint, als ob Innenwelt und Aussenwelt koinzidieren würden. C.G. Jung hat daher vorgeschlagen, solche relativ gleichzeitig stattfindende innere und äussere Ereignisse daraufhin zu untersuchen, welcher Sinn sie verbinden könnte. Das Prinzip, welches hinter diesen Ereignissen steht, hat er Synchronizität genannt.

Jung bringt in seinen Briefen (Bd. I, S. 487) eine eindrückliche Erfahrung einer Synchronizität: „Zum Beispiel gehe ich mit einer Patientin im Wald spazieren. Sie erzählt mir den ersten Traum ihres Lebens, der einen unauslöschlichen Eindruck auf sie machte. Sie hatte einen Geisterfuchs gesehen, der die Treppe in ihrem Elternhaus herunterlief. In diesem Augenblick kommt, keine vierzig Meter von uns entfernt, ein wirklicher Fuchs unter den Bäumen hervor und läuft ein paar Minuten lang ruhig den Weg vor uns her. Das Tier verhält sich so, als wäre es Partner in der menschlichen Situation.“

Es wäre gemäss Jung falsch und äusserst gefährlich, zwischen den beiden Ereignissen eine kausale Beziehung zu sehen und zu sagen, dass das eine Ereignis das andere verursacht habe. Dies wäre nichts anderes als ein Rückfall in ein mittelalterliches magisch-kausales Denken. Vielmehr müssen wir annehmen, dass die beiden Ereignisse nicht kausal, sondern durch einen gemeinsamen Sinn verbunden sind. Diesen Sinn gilt es zu extrahieren, indem man das Symbol „Fuchs“ zur Deutung verwendet. Die Deutung dieser Synchronizität würde somit in etwa besagen, dass die Träumerin sich – symbolisch gesprochen – viel mehr von ihrem „inneren Fuchs“ führen lassen müsste, das heisst, dass sie wieder zu ihrer instinktiven Schlauheit zurückfinden muss, die sie offensichtlich durch eine zu intellektuelle Einstellung verloren hat.

Wenn man viele solche Synchronizitäten erlebt hat, gewinnt man mit der Zeit den Eindruck, dass darin ein Wissen um die Zukunft verborgen liegt, welches unser bewusstes Wissen bei weitem übersteigt. Es zeigt sich zudem, dass das Innen, d.h. die Traumwelt oder das sogenannte Unbewusste, etwas über das Aussen weiss, aber auch das Aussen, die belebte oder sogar die unbelebte Materie, etwas über das Innen. C.G. Jung hat daher das Postulat aufgestellt, dass es eine Welt geben muss, in welcher Innen und Aussen, Psyche und Materie noch in einer ununterscheidbaren Einheit vereinigt sind. Diese Welt hat das Mittelalter den unus mundus, die Eine Welt genannt. Diese muss man sich als eine potentielle Welt vorzustellen, aus welcher ursachelose Neuschöpfungen geschehen können. Synchronizitätsereignisse zeigen dann den Zeitpunkt, wann sich diese potentielle Welt in der konkreten inkarnieren will.

Im obigen Beispiel war im Moment des Auftauchens des Fuchses im Wald der Zeitpunkt gekommen, in welchem die betroffene Frau aus ihrem Intellektualismus aussteigen und zu ihrer instinktiven Schlauheit zurückfinden konnte. Jung wird ihr in diesem Moment wahrscheinlich etwa folgendes gesagt haben: „Sehen Sie, nun ist auch aussen der Fuchs, das Symbol der instinktiven Schlauheit, in ihre Welt eingetreten und will sie durch ihr weiteres Leben führen. Vergessen sie daher all ihre Wenn und Aber, überwinden sie derart ihre intellektuelle Blockierung und beginnen sie wieder auf ihre instinktive Weisheit zu vertrauen, welche ihnen den richtigen Weg zeigen wird.“ Durch das Erlebnis und die Deutung dieser Synchronizität wurde das Bewusstsein der Klientin schlagartig gewandelt, und dieses eindrückliche Ereignis wurde derart zu einem Neubeginn, der ihrem Leben einen ganz neuen Sinn gab.

Physikalisch gesehen führt das Prinzip der Kausalität letztlich in die sogenannte Entropie, das heisst in den Wärmetod des Universums. Die Energiedifferenzen zwischen verschiedenen Teilen nehmen immer weiter ab, bis keine Unterschiede mehr bestehen; da keine Energie mehr fliessen kann, ist alles Leben erloschen.

Aehnliches lässt sich im psychischen Leben beobachten. Menschen, die zu lange dem kausalistischen Weltbild verhaftet bleiben, beginnen langsam aber sicher schon während diesem Leben zu sterben. Sie werden zu „lebenden Toten“. Daher sagen die Sufis – die Mystiker des Islam – das weise Wort: „Stirb, bevor du stibst!“ Sie meinen damit, dass in solchen Menschen eine Umorientierung stattfinden sollte, welche bewirkt, dass das Bewusstsein dann viel eher dem synchronistischen als dem kausalistischen Prinzip verbunden sein wird. Dieses Loslassen des Alten und Bewährten, dieses Aufgeben des Machtprinzips, des „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!“, wirkt wie ein Jungbrunnen. Solche Menschen beginnen ein zweites Leben, welches sich auf das Prinzip der Synchronizität abstützt. Sie beginnen, sich von Zufällen leiten zu lassen und die Träume zu Hilfe zu nehmen, um verstehen zu lernen, wohin der weitere Lebensweg führt. In ganz kritischen Momenten ereignen sich dann auch Synchronizitäten, welche das Ziel des Lebens aufzeigen

Erfahrungsgemäss wirken solche Synchronizitäten negentropisch, das heisst, sie bauen neue psychische Energiefelder auf, welche ihrerseits wiederum zu neuen Lebensmöglichkeiten führen. Auf diese Art und Weise wachsen Menschen, welche ihre Träume und Synchronizitäten ernst nehmen, in ein neues, von tiefem Sinn erfülltes Leben hinein. Damit haben sie aber gleichzeitig den alles tötenden kausalistischen Zeitgeist überwunden und sind in den Zeitgeist des neuen Zeitalters eingetreten, welcher sich am Horizont des neuen Jahrtausends abzeichnet.

Quelle: Unus Mundus