Post Merger Integration – eine sorgfältige Mischung aus Kunst und Wissenschaft

Merger & Acquisitions a careful blend of art and science

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Merger & Acquisitions

Das weltweite Geschäft mit Unternehmensfusionen und Übernahmen boomt. Nach Angaben von Bain & Company wurden 2020 strategische und veröffentlichte M&A-Transaktionen im Wert von insgesamt 2800 Milliarden US-Dollar weltweit durchgeführt.

Das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen ist zu Beginn der Corona-Krise nahezu zum Erliegen gekommen, in der zweiten Jahreshälfte gab es dann aber eine unerwartete Erholung. Im Jahr 2020 wurden mehr als 28.500 Transaktionen unterzeichnet. Die rasche Digitalisierung hat die Erholung von Fusionen und Übernahmen unterstützt indem M&A-Prozesse virtuell durchgeführt werden konnten, selbst wenn die Welt im Stillstand war. Bei der digitalen Zusammenarbeit stießen die M&A-Fachleute jedoch an die Grenzen der Technologie wie zum Beispiel dem Aufbau von Beziehungen oder der Bewertung der kulturellen Passung.

Eine Umfrage unter M&A-Fachleuten zeigt, dass der Appetit auf M&A weiterhin robust ist. Die Umfrageteilnehmenden erwarten, dass Fusionen und Übernahmen in den nächsten drei Jahren 45% des Umsatzwachstums ankurbeln, gegenüber 30% in den letzten drei Jahren. M&A und Veräußerungen haben in den vergangenen wirtschaftlichen Abschwüngen eine bedeutende Rolle gespielt, da die Führungspersonen sowohl ihre Portfolios gestrafft als auch neue Fähigkeiten zur Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit erworben haben – Maßnahmen, die es ihnen ermöglichen, über Jahre hinweg von dieser strategischen Neupositionierung zu profitieren. Im Idealfall werden durch einen M&A-Prozess ein erprobtes Leistungsprogramm und neues Know-how erworben, neue Märkte erschlossen, die Machtposition ausgebaut bzw. Marktanteile gewonnen sowie Synergie- und Skaleneffekte erzielt.

Trotz dieser Vorteile und der Zunahme der weltweiten M&A-Aktivitäten scheitern die meisten M&A-Transaktionen weiterhin. Studie für Studie beziffern die Ausfallrate auf über 70%, darunter die Harvard Business School, Bain, die Great Prairie Group und viele andere.
Warum scheitern M&A-Transaktionen?
M&A sind einmalige und komplexe, für die beteiligten Unternehmen hochgradig bedeutsame Vorhaben, die innerhalb eines definierten Zeitrahmens interdisziplinär zu bearbeiten sind. Aufgrund ihrer erheblichen finanziellen, strategischen und personellen Folgen sind sie zweifellos ganz besondere Projekte.

Ein Zusammenschluss von Unternehmen ist kein Garant für die Realisierung zukünftiger Erfolgspotenziale. Auch wenn während der Vorbereitungsphase die prognostizierten Synergieeffekte erheblich waren und der juristische Zusammenschlussprozess abgeschlossen ist, gilt es, Gefahren und Risiken zu berücksichtigen, die in der bevorstehenden Integration der Unternehmen begründet liegen. Empirische Studien weisen darauf hin, dass die überwiegende Mehrheit aller Unternehmenszusammenschlüsse gerade in der Integrationsphase scheitern.

Post Merger Integration

Bei der Integration von zwei Unternehmen handelt es sich um einen evolutionären Wachstums- und Entwicklungsprozess. Das Vorgehen basiert mehr auf dem Prinzip von Versuch und Irrtum, denn auf einer Abfolge an planbaren Ablaufketten von Einzelschritten.

Einer der größten Fehler, den Unternehmen bei der Post Merger Integration (PMI) machen, besteht darin, die Organisationskultur zu ignorieren – oder diese nur oberflächlich zu berücksichtigen. Kultur beeinflusst in besonderer Weise, welchen Wert Mitglieder der Organisation haben, wie sie Prioritäten setzen und Entscheidungen treffen, welche Art von Personen erfolgreich sind und wie sich Menschen angesichts von Herausforderungen oder Krisen verhalten.

Vielfach wird in der Fusionspraxis noch ignoriert, dass beim Zusammenschluss zweier bisher selbständiger Unternehmen es weniger die Produktionen, Vertriebsschienen oder andere Einrichtungen sind als vielmehr die Menschen, die durch eine Fusion zusammengeführt werden und nun miteinander auskommen müssen.

Somit ergeben sich als Zielsetzung für eine erfolgreiche Integration neben den wirtschaftlichen Aspekten (profit) auch Aspekte der betroffenen Menschen bzw. Stakeholder (people). Die Diskussionen um Klimawandel und andere Krisen erfordern auch eine immer stärkere Berücksichtigung von Umweltaspekten und nachhaltigem Wirtschaften (planet). Jedes Unternehmen dient auch einem gesellschaftlichen Ziel bzw. folgt einer Vision von Sinnhaftigkeit (purpose).

Deep Dive – ein neuer PMI-Ansatz

All diese Aspekte lassen sich über eine integrale Betrachtung nachhaltig zusammenführen. Die Stakeholder bewegen sich gemeinsam durch diesen Prozess, der die Möglichkeit einer tiefgreifenden Veränderung in Denkweise und Wertempfinden bietet. Dabei werden die beobachtbaren äußeren Hard Facts ebenso wie die schwerer fassbaren inneren Muster und Bilder, jeweils sowohl aus der Perspektive der einzelnen Menschen wie auch aus dem Blickwinkel des Gesamtsystems berücksichtigt und entwickelt. Wir lassen uns von der Zukunft informieren, wie das neu verbundene Unternehmen aussehen soll in Bezug auf Sinn, Verantwortung, Menschen, Produkte, Projekte, Leistung und Organisation.

Impact – unser Beitrag, ihr Nutzen

Wir als Facilitierende eröffnen einen evolutionären Potenzialraum, in dem sich beide Unternehmen einzeln entwickeln und zusammen zu einem Neuen entfalten. Aus Unternehmen A und Unternehmen B entsteht etwas ‘Neues Drittes’. Über diesen evolutionären Prozess entsteht ein fein austariertes ‘Sowohl als auch’, das die förderlichen Aspekte der bisherigen Unternehmenskulturen mit vollkommen neuen Elementen kombiniert, die den nun veränderten Rahmenbedingungen gerecht werden.

Die Einbeziehung der Ebenen von profit, people, planet und purpose bergen ein Potenzial, welches nicht nur 1 + 1 = 2 oder 3 ergeben, sondern 1 + 1 = 10 oder 100. “Multiple-Win” bedeutet, dass nicht nur eines, sondern beide Unternehmen profitieren, dass alle betroffenen Personen und Stakeholder profitieren, dass die Umwelt profitiert und dass die Gesellschaft durch sinnvolle Produkte und Dienstleistungen ebenfalls von dem Zusammenschluss und der anschließenden Entwicklung und Integration profitiert.

Durch eine konsequente Orientierung an integralen Prinzipien und evolutionären Prozessen lässt sich die Quote des Gelingens von heute <30% signifikant und nachhaltig steigern.

U.Lab 2x Post-Merger-Integration

Mit dem Projekt “Bringing A New Post-Merger-Integration-Approach Into Life” sind wir seit Februar 2021 Teil eines unter internationaler Beteiligung stattfindenden U.Lab 2x am Presencing Institute von Otto Scharmer (U.Lab 2x – An Accelerator for Systems Transformation). Mit unseren Kooperationspartner*innen, die Hochschule München, die privatwirtschaftliche Forschungs- und Beratungsinstitution imu in Augsburg und eine Mischung aus interdisziplinären Expert*innen, entwickeln wir Prototypen weiter in Richtung Pilotierungen in konkreten Post-Merger Integrations Situationen. Unsere Aktivitäten im Rahmen des U.Lab 2x sind über den folgenden link zu verfolgen: www.post-merger-integral.de

Ansprechpartner*in

Rainer Votsmeier |   rainer@votsmeier.com  | +49 160 9892 6999
Renate Huber |   renate.huber@vielfaltgestalten.at  |   +43 676 6730 640

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